Textil-Werkstatt Willenbockel

Paramentik. Handwerk. Leidenschaft.

Paramente

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Geschichte der Paramentik

"Die Wohnung sollst du machen aus zehn Teppichen von gezwirnter Leinwand, von blauem und rotem Purpur und von Scharlach. Cherubim sollst du einweben in kunstreicher Arbeit", heißt es bei den Anweisungen zum Bau der Stiftshütte, dem Gotteshaus des noch nicht sesshaften Volkes Israel, in der Bibel (2. Mose 26).

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Als "Urparament kann sicherlich das weiße Tuch des Abendmahltisches angesehen werden. Die frühesten Darstellungen von Paramenten sind aus dem 6. Jh. bekannt. Ein Mosaik in der Kirche San Vitale in Ravenna, Italien, zeigt Altartuch und Altarbekleidung.

Aus dem 9. Jh. stammt ein frühes Verzeichnis liturgischer Gewänder in Rom. Der uns heute bekannte Farbkanon der liturgischen Farben Weiß, Rot, Grün und Violett muss, laut einer Mitteilung von Papst Innozenz III., bereits im 12. Jh. voll ausgeprägt gewesen sein, blieb jedoch zunächst eher ein Brauch als eine feste Regel. Je nach Region fanden auch die Farben Gelb, Braun, Blau, Grau, Rosa und Schwarz Anwendung.

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Im Mittelalter erlebte die Paramentik ihren vorläufigen Höhepunkt. Klöster als Zentren von Macht, Kultur und Entwicklung widmeten sich der Kunst der kirchlichen Textilien. Unschätzbar wertvolle Zeugnisse gewirkter Teppiche und Stickarbeiten sind bis heute erhalten und in Dom- und Klosterschätzen zu besichtigen. Mit zunehmender Ausschmückung der Altäre mit Plastiken und Gemälden wurde die Paramentik im 16. Jh. bedeutungsloser und verlor ihren Charakter des "Gott ehrens". Repräsentanten weltlicher Herrscher, Klerus, Stifter und Mäzene rückten in den Vordergrund.

Als Erneuerer der Paramentik gilt Pfarrer Wilhelm Löhe in Neuendettelsau, Seine Schrift "Vom Schmuck der heiligen Orte" ließ den Plan reifen, 1858 einen Paramentenverein zu gründen. In der Folgezeit entstanden in vielen Diakonissenhäusern ebenfalls Vereine, aus denen später die Paramenten-Werkstätten wurden, die zum Teil noch heute bestehen.

Wichtige Impulse für die Arbeit der Paramentik gingen in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhundert vom Schriftkünstler Rudolf Koch aus. Sowohl seine, von ihm entwickelte Sammlung christlicher Symbole, als auch seine Ideale in Fragen des Materials und der Herstellung, wurden von den Werkstätten als vorher nie gekannte neue Ausdrucksformen übernommen und jahrzehntelang umgesetzt.

Inzwischen tritt die Kunst der Paramentik längst aus ihrer lange geübten Selbstbeschränkung heraus. Das schöpferische Schaffen in Zusammenarbeit und im Dialog mit Theologie und zeitgenössischer Kunst versteht den gesamten Gottesdienst als Gestaltungsaufgabe.